Eigene Tracks erstellen, Medienkompetenzen erlernen und Sprachkenntnisse vertiefen – Hip-Hop Workshop im Gustav 2.0

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Autor: Jan Graf

Hip Hop ist heute angesagter und erfolgreicher als je zuvor. Viele Junge Menschen identifizieren sich mit den Botschaften und Lebensstilen der Jugendkultur und wünschen sich ihre eigenen Hip-Hop-Tracks aufzunehmen.

Um Jugendlichen der Ev. Jugendlhilfe Godesheim sowie jungen Menschen aus dem Bonner Stadtteil Tannenbusch die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Texte zu komponieren und kreativ mit Medien zu arbeiten, startete im Januar 2018 ein dreimonatiger Workshop im Gustav 2.0. Dem Leiter des Workshops Jendrik Krick – auch bekannt unter dem Künstlernamen „za.“ – ging es dabei in erster Linie darum, dass die Jugendlichen die Musikform als ein Medium begreifen, über das sie ihre Gefühle, Gedanken und Ansichten ausdrücken können und in die Lage versetzt werden ihre eigenen Beiträge zu produzieren.  In den wöchentlichen Treffen stand daher neben Rap-, Reim- und Rhythmusübungen auch das technische “know how“ der Musikerstellung – von der Auswahl des Beats, über das Aufnehmen, hin zu dem anschließenden „Abmischen“ der Tracks – auf dem Stundenplan. Eine weitere Zielsetzung bestand darin, die Sprachkenntnisse auf Seiten der Jugendlichen mit Fluchthintergrund zu verbessern. Beim ersten Treffen einigte sich die Gruppe daher darauf, dass die Texte überwiegend auf Deutsch geschrieben werden. Einzelne Textpassagen durften aber ebenso auf der jeweiligen Muttersprache gerappt werden.

Zum Auftakt des Workshops kamen acht interessierte Jugendliche zusammen. In verschiedenen Übungen wurden den Teilnehmern zunächst Rap- und Reimtechniken vermittelt. Anschließend wurden die Beats ausgewählt und die Arbeit an den Texten startete.

Trotz unterschiedlicher sprachlicher Kompetenzen gelang es allen Teilnehmern komplette Texte oder einzelne “Parts“ auf Deutsch zu erstellen. Nach zehn Treffen hatten drei Jugendliche ihre Texte fertiggestellt und konnten ihre Songs im Studio aufnehmen. Mit fünf weiteren Teilnehmern wurden Demo-Aufnahmen im Gustav 2.0 angefertigt. Im Anschluss wurden die Aufnahmen gemeinsam “abgemischt” und an die Teilnehmer übergeben.

Auf die entstandenen Ergebnisse sind alle Beteiligten stolz. Die Texte geben einen authentischen Einblick in die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen und handeln vom Verlust der Heimat, Diskriminierung sowie der Liebe zur Familie. Gleichzeitig sind sie der Beweis, dass Musik vor sprachlichen Barrieren keinen Halt macht. Die Songs werden in Kürze auf stadtgrenzenlos.de veröffentlicht.

Im Juni geht der Workshop in die zweite Runde. Neben neuen Tracks, wird diesmal auch an einem Musikvideo gearbeitet. Neue Teilnehmer sind aber natürlich weiterhin willkommen! Die Gruppe trifft sich jeden Donnerstag von 17:30-19:00 Uhr.

Informationen zum Verfassser
Jan Graf

lebt in Bonn, arbeitet bei Stadtgrenzenlos und betreut verschiedene Projekte, darunter auch das digitale Partizipationsprojekt WeReport. Als Sozialgeograph liegen ihm die Themen Flucht und Migration, physische und virtuelle Raumaneignung sowie Teilhabe an der Stadtgesellschaft besonders am Herzen.

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