Digitale Medien: Der pädagogische Umgang mit der Nutzung von Spielekonsolen bei Kinder- und Jugendlichen

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Autor: Alexander Hundenborn

Was sagen Pädagogen zum Einsatz von Spielekonsolen in sozialen Einrichtungen

Die Pädagogen der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim und der INTRA nehmen Stellung zu folgenden Thesen und Problemstellungen in der Praxis in der Nutzung von Spielekonsolen in den Gruppen der sozialen Einrichtungen.

Die Medienbeauftragt_innen der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim und der INTRA  treffen in regelmäßigen Sitzungen der AG Digitalisierung zusammen und diskutieren mögliche Themen, die in medienpädagogischen Workshops angeboten werden können, besprechen Problemstellungen, die sich in der Praxis zeigten und bringen eigene Ideen und Lösungsansätze mit ein. Ein Beispiel verschiedenen Thesen, die bearbeitet wurden, stellen wir Ihnen im Folgenden vor. Dieses Mal geht es um die Nutzung von Spielkonsolen in den Einrichtungsgruppen und verschiedenen Problemstellungen dazu

 

Thesen zur Nutzung von Spielkonsolen von Kinder- und Jugendlichen

These 1. Spielkonsolen bieten keine Einstellungsmöglichkeiten anhand des deutschen Jugendschutzes (USK). Das Ausweichen auf eine europaweite Regelung reicht vollkommen aus.

Was die Pädagogen der Einrichtungen EJG und INTRA dazu sagen:

Die Pädagogen sind sich einig: Der deutsche Jugendschutz ist natürlich für alle Pädagog_innen bindend. Doch sie sind sich auch einig, dass dies allein nicht ausreichend ist und nicht von der pädagogischen Begleitung entbindet. Der Jugendschutz gibt den Rahmen vor, aber auch Sicht der Pädagogen muss vielmehr jeder einzelne Jugendlichen individuell betrachtet werden.  Das Spielen von Jugendlichen in der Gruppe mit der Playstation erinnert an das gemeinsame Filmeschauen von früher. Bei den Filmen, die altersgrenzüberschreitend waren, mussten die Pädagogen ihre Aufgabe unter Sicherstellung des Kinder- und Jugendschutz genauso wahrnehmen und dabei zusätzlich jeden Jugendlichen individuell beurteilen. Dieses Vorgehen kann so auf das Thema Playstation übertragen werden.

Der Medienpädagoge AH ergänzt

Erfahrungsgemäß ist das Thema Spielkonsolen in Verselbständigungs-Gruppen meistens weitaus weniger konfliktbehaftet als in Wohngruppen mit jüngeren Jugendlichen. Somit können auch die Erfahrungsräume der Fachkräfte in Bezug auf Videospiele weit auseinander liegen. Es gilt hier jedoch auch allgemeingültige pädagogische Aussagen und Regelungen zu finden. Der Einsatz von Videospielen im pädagogischen Kontext kann eine gewinnbringende und positive Auseinandersetzung mit bestimmten Themen fördern. Videospiele als pädagogisches Instrument oder aber auch als gemeinsame Freizeitbeschäftigung anzunehmen, bedarf einer Auseinandersetzung mit dem Medium.

Was bedeutet das USK Kennzeichen für die Praxis

Wie richtig von den Pädagogen der Einrichtungen vermerkt, ist der deutsche Jugendschutz für alle Pädagog_innen bindend. Das bedeutet für die Praxis, dass die USK-Kennzeichen für die Spiele immer gelten. Die europaweiten Regelungen (PEGI=Pan European Game Information) bieten mit ihren Symbolen noch einmal andere Informationsgehalte bezüglich der Inhalte der Spiele, haben aber nicht den rechtlichen Stellenwert der deutschen Jugendschutzkennzeichnungen. Das wird insofern zu einer Herausforderung, wenn die technischen Möglichkeiten der Spielkonsolen es nicht ermöglichen, dass Zugangsbeschränkungen auf Hardwarebasis nach den USK-Kennzeichnungen geschehen.
Die gängigen aktuellen Spielkonsolen sind unter den Herstellern Microsoft, Sony und Nintendo aufgeteilt.

Microsoft: Xbox One, Xbox One S, Xbox One X
Sony: Playstation 4, Playstation 4 Slim, Playstation Pro
Nintendo: Nintendo 2DS, Nintendo New 2DS, Nintendo 3DS, Nintendo 3DS XL, Nintendo New 3DS, Nintendo New 3DS XL, Nintendo WiiU, Nintendo Switch

Diese Konsolenhersteller haben immer eine andere Herangehensweise an die Jugendschutzeinstellungen. Beispielsweise wird auch immer Zugriff auf die Online-Funktionen und Erweiterbarkeit durch Apps auf den Geräten anders gehandhabt. Einen Überblick über ältere Konsolen und die Jugendschutzeinstellungen lassen sich beim Spieleratgeber NRW finden.

(https://www.spieleratgeber-nrw.de/Jugendschutzeinstellungen-bei-Konsolen.3591.de.1.html)

Bei den neueren Konsolen gibt es von den Herstellern ausführliche Informationen darüber, wie genau die Einstellungen zu handhaben sind.

USK allein ist nicht ausreichend

Die technischen Einstellungsmöglichkeiten sind letztlich nur ein Instrument, welches in keiner Weise die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Spielen obsolet macht. Die Jugendschutzkennzeichnungen gehen immer davon aus, dass die Inhalte auf einen “Durchschnittsjugendlichen” im entsprechenden Alter keine negativen Auswirkungen haben werden. Er stimmt den Pädagogen der EJG und Intra zu, denn gerade in der Erziehungshilfe ist es notwendig, die individuellen Lebenslagen und die persönlichen Entwicklungsstände zu berücksichtigen, um die Spielauswahl individuell auszuhandeln. Hier ist die pädagogische Einschätzung der Fachkräfte in den Wohngruppe gefragt und gefordert.

Links:

Sony Playstatation 4: http://manuals.playstation.net/document/de/ps4/basic/game.html
Microsoft Xbox One:
https://support.xbox.com/de-DE/xbox-one/security/core-family-safety-features#16cc20651bd04fe992cfc120972b33ba

Eine Bilderreihe von Schau Hin! zur Xbox:
https://www.schau-hin.info/service/bildstrecken/show/kindersicherung-fuer-die-xbox.html?tx_klicktool_pi1%5Burl%5D=

Nintendo 3DS: https://www.nintendo.de/Hilfe/Eltern/Sicherheit/Altersbeschrankungen-auf-Nintendo-3DS/Nintendo-3DS-Altersbeschrankungen-einstellen/Nintendo-3DS-Altersbeschrankungen-einstellen-907330.html

Nintendo WiiU:
https://www.nintendo.de/Hilfe/Eltern/Sicherheit/Altersbeschrankungen-auf-Wii-U/Wii-U-Altersbeschrankungen-einstellen/Wii-U-Altersbeschrankungen-einstellen-908862.html

Nintendo Switch:
https://www.nintendo.de/Nintendo-Switch/Nintendo-Switch-Altersbeschrankungen/Nintendo-Switch-Altersbeschrankungen-1183145.html

Informationen zum Verfassser
Alexander Hundenborn

FJMK:
Die Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW widmet sich der Medienkompetenzvermittlung in der Kinder- und Jugendhilfe in Nordrhein-Westfalen. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die meisten Medienprojekte in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen nur einmalige, temporäre Angebote darstellen und dadurch wenig nachhaltige und/oder vernetzte Wirkung entfalten können.

Alex:
Alexander Hundenborn ist Projektleiter für das Projekt "PowerUp - Medienpädagogik und Erziehungshilfe". Er begleitet Einrichtungen und Fachkräfte der Erziehungshilfe in Fragen zur Digitalisierung und der medialen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.

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