WeReporter führen Interviews bei großer Messe durch ( 16. DJHT )


Autor: Jan Graf

Auf dem 16. DJHT haben wir mit unseren WeReportern Video-Interviews durchgeführt. Entstanden ist die Idee, als wir bei einem der WeReporter Treffen von der Messe erzählten und die Jugendlichen sehr interessiert waren. Zwei von unseren WeReportern, Ahmad und Abbas, haben sich für einen Besuch gemeldet und wollten Interviews führen.

Die beiden verfügen über eine gewisse Vorerfahrung, so haben sie beispielsweise erst vor kurzem bei der alljährlichen Godesheim Konferenz Mitarbeiter zum Thema Digitalisierung befragt. Im Gegensatz zum Interview mit den Erziehern und Pädagogen, lag hierbei die Schwierigkeit darin, dass wir uns nicht intensiv auf die Gesprächspartner vorbereiten konnten.

Die Messe ging von Dienstag bis Donnerstag und wir verabredeten, dass sie am Donnerstag nach Düsseldorf reisten sollten. Als Vorbereitung für die Interviews fragten wir bei verschiedenen Ständen am Dienstag an, ob ein Interview möglich wär. Oft ist das größte Hindernis bei Interviews die Spontanität. Es gibt wenig Situationen, bei denen Gesprächspartner bereit sind, ohne Vorwarnung direkt ein Videointerview zu geben. Zudem fällt das Ansprechen oft sehr schwer. Durch die gezielte Ansprache hatten wir am Donnerstag vier Interview-Termine geplant.

Als kleine Hausaufgabe hatten Ahmad und Ahmad auf, sich während der Zugfahrt einige allgemeine Fragen zur Messe zu überlegen.

Nachdem sie angekommen waren und sich die Messe in Ruhe angeschaut haben, überprüfte Jannick, der an diesem Tag für die Technik zuständig war, ob alle Speichermedien und Akkus startklar waren. Dann ging es los.

Die Gespräche waren alle sehr harmonisch und unkompliziert, was den beiden die Aufgabe erleichterte. Es war gut, dass schon im Vorfeld das Projekt erläutert wurde und es so keine schwierigen Diskussionen gab.

Ahmad und Abbas wechselten sich bei den Interviews immer ab. Beide hatten sich Fragen auf kleinen Karten notiert, um einen Faden während der Interviews zu haben. Die Videos wurden in einer Sequenz gedreht. Meist sind die Gesprächspartner unerfahren mit dem Sprechen vor einer Kamera. Dabei hilft es, wenn man Ihnen vorher sagt, dass man auch mal eine Frage wiederholen kann, da man im Schnitt nachher Einfluss darauf nehmen kann. Das lockert oft die Haltung und erleichtert den Gesprächsfluss.

Nachdem wir mit den vier Interviews fertig waren, drehten wir noch eine kurze Szene für den Einspieler, was den beiden sehr viel Spaß gemacht hat.

Ein weiteres Highlight war, dass wir beim Stand der Diakonie Oberbayern spontan vorbei gingen und ohne Probleme ein tolles Interview mit Herrn Rolf Negele von der Diakonie Oberbayern zu Stande kam. Der uns im Anschluss auch noch an Ulrich Schneider ( Geschäftsführer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband ) empfiehl. Ein toller runder Abschluss!

Zielgruppe/Ressourcen: Unsere WeReporter, junge Menschen mit Migrationshintergrund zwischen 14 und 28 Jahren. Die WeReporter verfügen über unterschiedlich gute Sprachkenntnisse.

Zeitraum: immer wieder bei passenden Gelegenheiten.

Technische Voraussetzungen/Ausstattung/Material: variiert je nachdem ob ein Video entstehen soll, oder ein Toninterview mit oder ohne Fotos.

Ton: Richtmikrofon, Aufnahmegerät. 

Bild: Kamera, Stativ

Vorkenntnisse Anleitung:  vor allem Material Ton/Video schneiden können. Im Falle von Fotos: Kenntnisse für die Fotobearbeitung.

Ziele bez.:

Fachkompetenz

Interviewsituationen planen, Begrüßung, Neugier wecken, Hemmungen abbauen, Fragen vorformulieren

Mit ihren Fragen ihren eigenen Interessen nachgehen und damit sichtbar werden

Medienkompetenz

Umgang mit Bild und Ton und den entsprechenden Geräten. Nachbearbeitung mit entsprechender Software erlernen

Sozialkompetenz

Sicherer im Auftreten werden und sich trauen Menschen anzusprechen, die sie vorher nicht kennengelernt haben

Diesen besonderen Kontakt gestalten, mit Fragen führen, im besten Fall auf Antworten flexibel reagieren und aus dem geplanten Interview ein Gespräch werden lassen.

Planungsschritte:

Vorbereitung:

Kenntnis der Geräte für Ton und Bild vermitteln und Interviewsituationen üben.

Das haben wir bereits während eines 2 tägigen Medienworkshops machen können. Die Jugendlichen haben geübt, Menschen freundlich zu begrüßen und um ein Interview zu bitten, ohne die Geräte bereits laufen zu lassen, damit das Gegenüber nicht sofort scheu reagiert. Die Anforderungen sich in diese Situationen zu begeben sind für junge Menschen besonders dann nicht zu unterschätzen, wenn sie teilweise noch recht wenig deutsch sprechen. Einer unserer WeReporter erzählte zudem, dass z.B. ein Amtsträger in seiner Heimat absolut unnahbar wäre und es undenkbar sei, ihn einfach anzusprechen. Es war eine schöne Erfahrung für ihn, dass er sich getraut hat und dann mit viel Freundlichkeit und Respekt behandelt wurde. Wir haben die Aufgaben verteilt, indem ein WeReporter die Fragen stellt, damit er sich darauf konzentrieren kann. Ein Zweiter ist für die Aufnahmen zuständig ist.

Durchführungsschritt 1 ca. 1 Stunde, variiert aber nach geplanter Länge des Interviews

Fragen planen. Dazu gehört auch zunächst zu recherchieren auf welcher Art von Veranstaltung das Interview stattfinden soll und welche Menschen dort potenziell interviewt werden können. Dann die konkreten Fragen vorformulieren. Es hat sich bewährt bei kurzen, unangekündigten Interviews 3-4 Fragen vorzubereiten, davon eine zum Warm werden und dann sofort zu wichtigen Fragen zu kommen.

Durchführungsschritt 2 ca. 20 Minuten (ohne Ladezeit Akkus)

Rechtzeitig – das heißt evtl. am Vortag –  das Equipment für die Aufnahmen kontrollieren, Speicherkarten und Bänder vorhanden? Alle Akkus aufgeladen? Geräte vollständig? Nehmen sie sich Zeit für diesen Schritt! Nichts ist peinlicher, als ohne Speicherkaten da zu stehen.

Durchführungsschritt 3

Das Interview durchführen, so wie es geplant war. Wir haben die besten Erfahrungen damit gemacht, dass 2 Jugendliche ein Interview führen. Einer ist für die Aufnahmen ( Ton oder Video) zuständig, der andere stellt die Fragen. soll es  eine Audio Slide Show ( Diashow mit Tonspur) werden, sollte man einen Fotografen zusätzlich einplanen.

Durchführungsschritt 4

Material sichern und nachbearbeiten

Durchführungsschritt 5

Interview abstimmen und veröffentlichen

Tipps&Tricks:

Ergebnis: Interview in Ton und evtl. Bild

Probleme: Eigentlich hatten wir wenige Probleme, wenn unserer WeReporter die Akteure waren. Viele Menschen reagieren sehr freundlich und erkennen an, dass es nicht leicht ist ein Interview in einer fremden Sprache zu führen. Ein technisches Problem gab es noch bei zwei Interviews mit der Kamera. Da wir noch in den Einstellungen den ISO-Wert auf automatisch hatten, gab es Probleme mit den Strahlern und dem Gegenlicht an den Ständen. Das führte dazu, dass die Helligkeit ungewollt verändert wurde, da die Automatik mit dem Gegenlicht nicht richtig zurecht kam. Bei den restlichen Interviews wurde das Problem durch den manuellen ISO-Wert gelöst. 

Lernerfolge: Hier gilt wie so oft: Übung mach den Meister und Wiederholungen sicherer.






Informationen zum Verfassser
Jan Graf
Jan Graf

lebt in Bonn, arbeitet bei Stadtgrenzenlos und betreut verschiedene Projekte, darunter auch das digitale Partizipationsprojekt WeReport. Als Sozialgeograph liegen ihm die Themen Flucht und Migration, physische und virtuelle Raumaneignung sowie Teilhabe an der Stadtgesellschaft besonders am Herzen.


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