Sprache als Schlüssel zur Integration


Autor: Klaus Brouwers

Alltagsorientierte Sprachförderung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Viele der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge beherrschen bei ihrer Ankunft in Deutschland kaum bis gar nicht die deutsche Sprache. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist aber der Schlüssel zur Teilhabe an der Gesellschaft. Das Konzept der alltagsorientierten Sprachförderung setzt beim konkreten Alltag der Flüchtlinge an.

Sprache als Türöffner.
Jeder hat es schon einmal am eigenen Leib erlebt, was es bedeutet, fremd in einem Land zu sein, weil man die Sprache nicht spricht und nicht versteht. Jeder kennt das Gefühl, sich ausgeschlossen zu fühlen und gleichzeitig auch, das gute Gefühl, langsam in die fremde Sprache eintauchen zu können und mehr und mehr kommunizieren zu können.
Sprache öffnet alle Türen zu einem selbstverantwortlichen und selbständigen Leben in einem neuen Land. Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ist die deutsche Sprache nach ihren vielfach traumatischen Fluchterfahrungen noch bedeutend wichtiger.

Deutsche Sprache im alltäglichen Gebrauch.
Grammatik, Vokabeln, Satzbau – all das ist wichtig für das Erlernen einer Sprache und bildet die Grundlage jedes Fremdsprachenunterrichts. Das Konzept der alltagsorientierten Sprachförderung geht einen anderen Weg. Jede kommunikative Situation ist wird sprachfördernd gestaltet. Das Konzept ist stark praxis- und verhaltensorientiert. Das Ziel ist es, die deutsche Sprache lebensnah und alltagsorientiert zu erlernen und somit einen ersten Schritt hin zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu schaffen. Die Jugendlichen sollen einen direkten Bezug zu ihren Alltagserfahrungen gewinnen. Alltägliche Handlungen wie Einkäufe, Arztbesuche oder Behördengänge werden bewusst in das Sprachtraining integriert. Erfolge sind sofort umsetzbar. Das Sprachtraining hilft Berührungsängste abzubauen, Selbstwertgefühl aufzubauen und sich stärker selbst bestimmt in Deutschland zu bewegen.

Alltagsorientierte Sprachförderung erlernen.
Haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende in der Arbeit mit jungen Flüchtlingen können das Konzept in Bonn erlernen. Die Weiterbildung wird von Stadtgrenzenlos, einer Initiative der Ev. Jugendhilfe Godesheim in Bonn, angeboten. Die Initiative bietet neben diesem Internetportal insbesondere Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für hauptamtliche Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sowie Fachpersonal weiterer relevanter Behörden und Organisationen, die mit jungen Flüchtlingen arbeiten.

Die dreitägige Weiterbildung „Integrative, alltagsorientierte Sprachförderung“ ist vom Mannheimer Zentrum für Empirische Mehrsprachigkeitsforschung entwickelt worden. Sie umfasst die grundlegenden Prinzipien und Erfolgsfaktoren des Spracherwerbs, beschäftigt sich mit sprachförderlichem Verhalten und interkultureller Kommunikation.
Die nächste Weiterbildung findet vom 27. bis zum 29. September statt.
Informationen und Anmeldung hier


Alltagsorientierte Sprachförderung in Bonn. Das Projekt Känguru.

Alltagsorientierte Sprachförderung setzt möglichst früh an. Uta Claussen-Wätzel, Bonner Sprachtherapeutin, hat das Sprachförderprogramm Känguru für Kinder mit Migrationshintergrund im Alter von 18 bis 36 Monaten entwickelt. Durch den frühen Beginn wird die Phase des intuitiven Lernens genutzt. Direkt unterstützen die Eltern ihre Kinder im Erwerb der ersten Muttersprache/n, indem sie in der Muttersprache mit den Kindern sprechen. Die Muttersprachkompetenzen der Familie werden wertgeschätzt und unterstützt. Deutschkenntnisse der Eltern müssen nicht vorhanden sein.
In den Kursen wird den Kindern qualifizierter, systematisch-strukturierter, sprachlicher Input geboten, der es ihnen ermöglicht, die Regeln der deutschen Wort- und Satzbildung intuitiv zu erlernen.
www.kaenguru-sprache.de/


Weiterführende Informationen
www.johanniter.de/kurse/kinder-und-jugendliche/servicepunkt-paedagogik/integrations-bildungsarbeit-mit-fluechtlingen/deutsch-lernen-mit-sprachpaten/

Die „Sprachtürme“ sind eine praktische Handreichung für Sprachpaten. Sie unterstützen die Sprachpaten, die alltagsintegrierte Sprachförderung der jungen Flüchtlinge zu strukturieren und an Zielen auszurichten. So kann diese Form der Sprachbildung flexibel, spontan und quasi en passant erfolgen, ohne aber klare Ziele aus den Augen zu verlieren.


www.mazem.de
MAZEM gemeinnützige GmbH besteht seit März 2011 und ist hervorgegangen aus der ‚Forschungs- und Kontaktstelle Mehrsprachigkeit‘ der Universität Mannheim. Ein Schwerpunkt des MAZEM liegt in der Entwicklung und Evaluation konkreter Sprachförderprojekte zur Verbesserung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Informationen zum Verfassser
Klaus Brouwers
Klaus Brouwers

begleitet als Redakteur der Agentur kippconcept das Portal Stadtgrenzenlos. Er berichtet für Fachkräfte der sozialen Arbeit über digitale Projekte und Partizipationsprozesse in der Kinder- und Jugendhilfe des Godesheims.


Das könnte Sie auch interessieren