Autor: Kerstin Rüttgerodt

Kamera FAQ#3: Programmautomatiken, Voll- und Halbautomatiken nutzen oder M?

Digitalkameras geben den Nutzern viele Hilfen an die Hand, um möglichst gute Fotos zu machen. Die automatischen Voreinstellungen sind ein gutes Beispiel dafür. Bei digitalen Spiegelreflexkameras haben Sie oft sowohl die Möglichkeit Motiv- oder Programmautomatiken zu nutzen, als auch Voll- und Halbautomatiken und M für manuelle Einstellungen zu wählen. Solche Spiegelreflexkameras wenden sich meist an Anfänger. Wechseln Sie in den Fortgeschrittenen- oder Profibereich, finden Sie auf den entsprechenden Kameras keine Motivprogramme mehr. Bei anderen Digitalkameras kann es sein, dass es je nach Modell vielleicht nur Motivprogramme gibt. Sind diese gut gemacht, können sie für Standardsituationen wunderbar funktionieren. Allerdings können Sie meistens keine Korrekturen vornehmen, wenn es mal nicht passt. Von daher würde ich dazu raten, dass es mindestens einen M-Modus bei jeder Kamera geben sollte, denn mit der Erfahrung steigen die Ansprüche an die Ergebnisse.

Für Jugendliche bringen solche Kameras aber oft viel Spaß und bieten manchmal auch noch die Möglichkeit, das Foto in der Kamera mit vorgefertigten Bildstilen, Rahmen u.v.m. zu bearbeiten. Haben die Jugendlichen keine Möglichkeit über einen längeren Zeitraum mit einer Kamera zu üben und sollen spielerisch und schnell zu Ergebnissen kommen, die ihnen Spaß machen, dann sind solche Kameras die erste Wahl. Vorteil: Sie belasten oft das Budget weniger, als eine Spiegelreflex.

Für Menschen, die sich intensiver mit dem Fotografieren beschäftigen möchten und bereit sind zu üben, geht der Weg meist über Motivprogramme zu Halbautomatiken und schließlich zur manuellen Einstellung. Bei der manuellen Einstellung haben Sie die Möglichkeit Fotos nach Ihrem Geschmack und eigenem Stil zu gestalten. Ich z.B. nehme meine Fotos gern etwas dunkler auf, als es mit einer Automatik erfolgen würde. Zwar riskiere ich, dass ich etwas Rauschen erhalte, wenn ich dunkle Bereiche aufhellen muss, aber das ist weniger ärgerlich, als wenn zu hell geratene Bildbereiche „ausgebrannt“ sind, denn dort fehlt dann jede Bildinformation. Eine Korrektur ist nicht möglich. M ist also meistens meine erste Wahl.

Es gibt aber auch Situationen, in denen ich gern auf eine Halbautomatik zurückgreife, z.B. wenn ich Sportaufnahmen machen möchte, oder bei allem, was sich flott bewegt. Dann wähle ich mit der Tv ( time value) genannten Halbautomatik die Zeit vor, und lasse die Kamera die Blende nachführen. Mit der Zeitvorwahl bestimme ich, ob ich Bewegungsunschärfe zulassen möchte, oder ob die Bewegung eingefroren sein soll. Oder ob Wasserspritzer wie kleine Diamanten in der Luft stehen zu scheinen, oder als weißer Streifen oder Schleier erscheinen – z.B. bei einem Wasserfall oder Brunnen. Dass dann bei wechselnden Lichtverhältnissen die Schärfentiefe variiert, weil die Kamera evtl. eine größere Blende wählt, nehme ich dann in Kauf. Umgekehrt kann es mir wichtig sein, auf jeden Fall eine bestimmte Schärfentiefe zu erreichen. Dann könnte ich die Blende vorwählen – Av Halbautomatik (aperture value) und die Kamera die Zeit nachführen lassen. In der Regel habe ich in solchen Momenten aber ausreichend Zeit diese Einstellungen auch manuell vorzunehmen, sodass ich das sehr selten nutze. Trotzdem könnte es z.B. bei Porträtaufnahmen von Vorteil sein, wenn ich mich ganz auf die Mimik und einen korrekt auf den Augen liegenden Fokus konzentrieren möchte.

Also: Motivprogramme sind vor allem für schnellen, spielerischen Spaß beim Fotografieren günstig. Ist man bereit zu üben und sich mit Fotografie zu befassen, sollte das „M“ nicht fehlen.

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Kerstin Rüttgerodt
Kerstin Rüttgerodt

...war viele Jahre sowohl in der Jugend- als auch Behindertenhilfe im Verbund der Axenfeld Gesellschaft pädagogisch tätig und ist seit 2006 dort Pressesprecherin.

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