Kinder- und Jugendhilfe digital: Gustav 2.0


Autor: Jan Graf

Neue Kommunikations- und Bildungsräume

Die gesellschaftlichen Veränderungen, die sich durch die fortschreitende Digitalisierung ergeben, sind ebenso tiefgreifend wie vielschichtig.  Das Netz bietet noch nie da gewesene Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, Vernetzung, Beteiligung und Bildung. Diese neuen Chancen werden allerdings höchst ungleich genutzt.

Zwar zeigen verschiedene Studien seit Jahren, dass sich die Zugangsbarrieren reduziert haben, die Bildungs- und Beteiligungspotentiale digitaler Medien werden aber in erster Linie von ressourcenstärkeren Bevölkerungsgruppen genutzt.  Die Digitalisierung trägt somit einerseits zur Demokratisierung bei und eröffnet neue Kommunikations- und Bildungsräume, andererseits reproduziert und verstärkt sie jedoch soziale Ungleichheiten. 

In einer Stellungnahme vom Juni 2016 thematisiert das Bundesjugendkuratorium diese ambivalenten Entwicklungen und benennt die Digitale Ungleichheit als eine der zentralen Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe.

Gustav 2.0

Mit dem „Gustav 2.0“, unserer digitalen Werkstatt im Gustav-Heinemann-Haus in Bonn, möchten wir einen Beitrag zu einer erforderlichen umfassenden digitalen Medienbildung für pädagogische Fachkräfte und junge Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe leisten. Hierzu gehören nicht nur eine medienpädagogische Kompetenz im engeren Sinne, sondern ebenso Themen wie Medienkunde, Medienkritik und Mediennutzung.

Zur Ausstattung gehören, neben mehreren Computern und Tablets, Ton- und Videotechnik, Fotoleinwände sowie verschiedene Softwareprogramme und Apps. Die Arbeitsplätze werden aber ebenso für die Erledigung der Hausaufgaben, zur Erstellung von Bewerbungsunterlagen oder zum Deutschlernen genutzt. In Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW werden außerdem gezielte Fortbildungen für Fachkräfte und Praxisprojekte für Jugendliche angeboten.

Ein souveräner Umgang mit digitalen Medien umfasst das Wissen um die Herausforderungen sowie ebenso die Offenheit für Neues.  Die Vermittlung digitaler Kompetenzen an Fachkräfte und Jugendliche schafft eine gemeinsame Basis, um auch die neuen Chancen der Digitalisierung zu erschließen.

Informationen zum Verfassser
Jan Graf
Jan Graf

lebt in Bonn, arbeitet bei Stadtgrenzenlos und betreut verschiedene Projekte, darunter auch das digitale Partizipationsprojekt WeReport. Als Sozialgeograph liegen ihm die Themen Flucht und Migration, physische und virtuelle Raumaneignung sowie Teilhabe an der Stadtgesellschaft besonders am Herzen.


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