Kamera FAQ #5 : Warum ist ein Sucher wichtig?…- gerade auch in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen


Autor: Kerstin Rüttgerodt

Wenn eine Kamera keinen Sucher hat, bin ich auf das Display angewiesen, um den Bildausschnitt festzulegen. Vielfach kein Problem, aber bei ungünstigem Winkel zur Lichtquelle, kann das schnell zum Blindflug werden. Das nächste Problem: Viele Displays zeigen den Bildausschnitt nicht so, wie ich ihn hinterher auf dem Foto vorfinde. Dann ist der Kirchturm nicht mehr ganz drauf, oder es fehlen die Füße meines Gegenübers. Was hilft?: Wenn man seine Kamera gut kennt, weiß man aus Erfahrung, wo das Sucherbild vom Foto abweicht und kann das bei der Komposition des Fotos einbeziehen. Ein paar Testaufnahmen mit einem gut strukurierten Motiv , z.B. einem Hochhaus, bei dem ich hinterher Fenster und Etagen zählen kann, zeigt schnell wieweit Sucher-, Displaybild und Foto übereinstimmen.

Stellen Sie die Kamera immer wieder unterschiedlichen Menschen zur Verfügung, z.B. einer Gruppe von Jugendlichen, wird ihnen die Kamera nicht geläufig genug sein, um diesen Ausgleich hinzukriegen. Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefiziten, die beim Fotografieren so wunderbar üben können, sollten auf jeden Fall auf dem Foto das kriegen, was sie vorher im Sucher gesehen haben. Ist das nicht der Fall, ist m.E. die Kamera für diese Gruppe unbrauchbar.

Der Sucher hat noch einen weiteren wichtigen Vorteil: Muss ich durch den Sucher schauen, nehme ich die Kamera direkt vor das Auge. Ich stütze sie also mit dem Gesicht etwas ab und bekomme mehr Stabilität für das Foto. Ich kann mich täuschen, aber bei Fotogelegenheiten mit Jugendlichen hatte ich das Gefühl, dass hier automatisch nicht so schnell geknipst wurde, wie mit einer Kompakten, die man mal so grob in die Richtung des Motivs hält.

Ein weiterer Vorteil eines Suchers liegt darin, dass viel weniger Energie verbraucht wird und der Akku länger hält.

Kameras mit Sucher habe eigentlich immer auch ein Display. Meine DSLR auch. Natürlich schaue ich mir Fotos an, die ich gerade gemacht habe, nicht immer, aber häufig. Vor dem Auslösen nutze ich das Display nur, wenn ich mit Stativ fotografiere und z.B. mit meiner Tilt-Shift-Linse oder einem Makroobjektiv volle Kontrolle über den Schärfebereich haben will. Dann nehme ich die Bildschirmlupe zu Hilfe und erreiche damit mehr Schärfe. Netterweise sorgt das Stativ ja dann auch dafür, dass nichts verwackelt. Aber ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich sehr selten ein Stativ verwende, auch wenn es mehr Schärfe bringt. Es nimmt mir viel Beweglichkeit und Spontaneität. Richtig anfreunden kann ich mich damit nicht.

Es gibt auch Kompaktkameras mit Sucher – manchmal ist er eingebaut oder muss als zugekauftes Teil aufgesteckt werden. Falls Sie sich für eine Kompakte interessieren, lohnt es sich danach zu googlen.

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Kerstin Rüttgerodt
Kerstin Rüttgerodt

...war viele Jahre sowohl in der Jugend- als auch Behindertenhilfe im Verbund der Axenfeld Gesellschaft pädagogisch tätig und ist seit 2006 dort Pressesprecherin.

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