BlueWhale Challenge – Hoax oder ernstzunehmendes Problem?

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Autor: Alexander Hundenborn

Ein Hoax ist laut Definition ein Jux oder ein Spaß, der die Öffentlichkeit täuschen soll. (vgl. Proceeding to the Annual Meeting of the Association of Collegiate Marketing Educators (2005), S. 88) Das bedeutet, dass etwas erfunden wird, was Menschen aufrütteln bzw. irritieren soll. Das Internet ist aufgrund der oftmals schnelllebigen Informationsweitergabe ohne vorherige Validierung der Inhalte eine ungeheuer große Spielwiese für Leute, die sich mit dem Erstellen von Hoaxen die Zeit vertreiben. Je glaubwürdiger und perturbierender der unweigerlich falsche Inhalt ist, desto viraler und schneller verbreitet sich dieser Inhalt.

Ein solcher Hoax war zunächst auch die sogenannte Blue Whale Challenge, die als Schockgeschichte im Internet verbreitet wurde. Hintergrund der Blue Whale Challenge ist ein vermeintliches Spiel, welches innerhalb von 50 Tagen Anweisungen per Messenger an den Nutzer schickt, die unbedingt zu erfüllen sind. Schlussendlich sollen diese Anweisungen dann im Suizid der Nutzer enden. Die Medienlandschaft berichtete im Frühjahr 2017 von der Blue Whale Challenge und damit zusammenhängende Selbstmorde von 130 Teenagern in Russland. Eine Validierung dieser Zusammenhänge konnte aber nicht vorgelegt werden. In diesem Dunstkreis aus Vermutungen, Interpretationen und falschen Presseberichten wurden die Sorgen von Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Lehrerinnen und Lehren geschürt, dass dieser vermeintliche Internettrend auch von Kindern und Jugendlichen in Deutschland aufgegriffen wird.

Diese Sorgen sind mittlerweile nicht mehr unbegründet, da aufgrund des großen Medienechos und der Berichterstattung der Hoax zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Die angebliche Verbreitung findet  der deutlich gefährdende Inhalt über Kettenbriefe in Form von Audionachrichten. Hierzu lässt sich jedoch feststellen, dass es weder in Deutschland, noch in Österreich oder der Schweiz bisher erwiesene Fälle mit einem Zusammenhang zwischen Blue Whale und selbstverletzendem Verhalten gegeben hat. Auch wenn andere Medienberichte diese Zusammenhänge gerne herstellen würden.

Was jedoch bestehen bleibt, ist das grundlegende Problem an der Challenge. Es ist mittlerweile schlichtweg nicht mehr relevant, ob sie von Anfang an real war oder nur ein Hoax. Trittbrettfahrer und Kettenbriefe können die Idee der Challenge aufgegriffen haben und sie tatsächlich umgesetzt haben. Weiterhin können auch Menschen, die aus multiproblematischen Kontexten stammen suizidale Tendenzen haben und diese selbsterfüllende Problematik als Anlass für eine Realisierung nehmen. Was für Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen, Lehrerinnen und Lehrer bleibt ist, ein offenes Ohr und Auge zu haben, wenn Auffälligkeiten bestehen sollten und gleichzeitig auch Ansprechpartner zu sein. Wenn die Kinder und Jugendlichen besorgt sein sollten, sollte im günstigsten Fall nicht mit noch mehr Panik aufgrund der Medienberichte reagiert werden, sondern gemeinsam auf die Inhalte geschaut werden. Zusätzlich können Beratungsstellen helfen, die Dynamik dieser grausamen “Späße” aufzufangen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Beispielsweise kann die Youth Life Line in Lebenskrisen helfen (http://www.youth-life-line.de/).

Quellen:

Dunn, Henry, Allen, Charlotte: Proceeding to the Annual Meeting of the Association of Collegiate Marketing Educators (2005), S. 88

http://www.mimikama.at/featured/verwirrung-um-die-blue-whale-challenge/

https://www.saferinternet.at/news/news-detail/article/der-blaue-wal-ein-hoax-655/

Informationen zum Verfassser
Alexander Hundenborn
Alexander Hundenborn

FJMK:

Die Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW widmet sich der Medienkompetenzvermittlung in der Kinder- und Jugendhilfe in Nordrhein-Westfalen. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die meisten Medienprojekte in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen nur einmalige, temporäre Angebote darstellen und dadurch wenig nachhaltige und/oder vernetzte Wirkung entfalten können.


Alex:

Alexander Hundenborn ist Projektleiter für das Projekt „PowerUp – Medienpädagogik und Erziehungshilfe“. Er begleitet Einrichtungen und Fachkräfte der Erziehungshilfe in Fragen zur Digitalisierung und der medialen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.


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