Besuch beim OTC-Bonn e.V. „Olympic Taekwondo Club Bonn”

Gruppenfoto im OTC-Bonn e.V.
Autor: Yasemin Mentes

Das WeReporter Team hat den OTC-Bonn e.V. besucht und mit dem Vereinsgründer und Taekwondo Bundestrainer Aziz Archarki über den Vereinssport, Wettkämpfe und Integration gesprochen.

Nach einem Weltmeister- und zwei Europameistertiteln gründete der in Marokko geborene Bonner den Olympic Taekwondo Club Bonn. Neben dem Sport setzt sich der OTC für die berufliche Integration junger Menschen in Bad Godesberg ein. Zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg bietet der Verein Hausaufgabenbetreuung, Sprachunterricht und verschiedene Freizeitaktivitäten an.

Abbas: Was zeichnet den OTC-Bonn als Verein aus?

Archarki: Bei uns ist jeder willkommen. Religion und Politik spielen bei uns im Verein keine Rolle. Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Konfessionen. Auch einige Geflüchtete aus Afghanistan und Syrien trainieren inzwischen bei uns.

Ebenso versuchen wir uns mit unseren Angeboten möglichst breit aufzustellen. Über das Training hinaus haben wir viele verschiedene Angebote. Jedes Jahr organisieren wir zum Beispiel ein Sommerfest. Das machen wir für den Stadtteil, aber auch für Jugendliche, die bei uns trainieren. Denn viele sind nach dem Training sofort weg und man lernt sich nicht wirklich kennen. Dafür bietet unser Sommerfest uns und der Nachbarschaft eine Gelegenheit. Ebenso bieten wir eine Hausaufgabenbetreuung, Sprachförderung und Freizeitaktivitäten an, wie z.B. einen Naturerlebnistag. Wir haben also nicht nur das Training auf dem Programm.

Farid: Wie sind Sie zum Taekwondo gekommen?

Archarki: Wie jedes Kind in Deutschland habe ich erst einmal Fußball gespielt. Das hat mir auch gefallen. Aber als ich 9 Jahre alt war, bin ich mit meinem Vater zu einem Sommerfest im Kurpark Bad Godesberg gegangen. Dort haben verschiedene Vereine ihren Sport vorgestellt. Fußball, Judo, Karate alles war vertreten, aber eben auch Taekwondo. Damals waren die Filme von Bruce Lee sehr beliebt. Als ich dann diese Bewegungen, diese Sprünge gesehen habe, war ich fasziniert und habe meinem Vater gesagt: „Das möchte ich auch machen“.

Mein Vater hat dann Kontakt aufgenommen und ist mit mir zum Training gegangen. Ich dachte es wäre ein Taekwondo-Training, allerdings war es ein Judo-Verein. Das Training habe ich zwar mitgemacht, allerdings hat es mir keinen Spaß gemacht. Am nächsten Tag bin ich dann zum Taekwondo-Training gegangen. Das erste Training hat mich direkt inspiriert und das ist bis heute so geblieben. So bin ich zum Taekwondo gekommen.

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Unsere WeReporter mit zusammen mit Aziz Archarki

Ahmad: Was ist das Besondere an Taekwondo? Was sind die Unterschiede zu Judo, Karate und anderen Kampfsportarten?

Acharki: Also wenn man das Wort „Kampfsport“ hört, liegt die Betonung in der Regel auf dem „Kampf“. Dabei geht es um wesentlich mehr. Die Sportarten heißen nicht ohne Grund Ju-Do und Taekwon-Do. „Do“ bedeutet „der Weg“. Das zeigt: hier geht es um Werte. Der Kopf ist gefragt. Disziplin, Höflichkeit, Respekt – diese Werte werden über das Training vermittelt.

Im direkten Vergleich ist Karate viel statischer als Taekwondo. Beim Taekwondo bewegt man sich mehr. Man arbeitet viel mit den Beinen und bewegt sich auch viel im Ring. Neben dem eigentlichen „Kämpfen“ beinhaltet Taekwondo auch Selbstverteidigung sowie bestimmte Formen oder Bewegungsabfolgen. Im Karate werden diese Bewegungsabläufe „Kata“ genannt. Beim Judo ist es noch einmal anders; da spielt der Kontakt eine zentrale Rolle.  Beim Taekwondo versucht man hingegen in der Regel eine gewisse Distanz zu halten.

Hassan: Wie wird man Weltmeister? Was muss ich machen?

Acharki: Ich denke, zu aller erst hatte ich einfach Glück. Ich hatte einen tollen Trainer, einen richtigen Mentor. Von ihm wurde ich ausgebildet. Außerdem war ich einfach sehr zielstrebig. Ich wollte Weltmeister werden. Das habe ich immer gesagt.  Aber auch der Wettkampf hat mir einfach Spaß gemacht. Natürlich fängt man da erstmal ganz klein an. Bei meinen ersten Meisterschaften habe ich oft verloren, ich war nie wirklich „top“. Das hat sich dann mit dem Wechsel in die höhere Altersklasse geändert. Nachdem ich die Schule abgeschlossen hatte, bin ich in die deutsche Nationalmannschaft gekommen. Weiterhin hatte ich den Traum Weltmeister zu werden. 1995 hat es dann geklappt. Im Anschluss bin ich Europameister geworden. Dann war das nächste Ziel die Teilnahme an Olympia in Sydney. Da habe ich dann im Halbfinale verloren.

Abbas: Ich denke, das Reisen ist bestimmt auch eine Motivation, oder?

Acharki: Ja, man lernt neue Menschen, Länder und Kulturen kennen. Das war sehr spannend.  Ich habe das Reisen damals sehr genossen. Daraus sind viele Freundschaften entstanden; auch gerade mit meinen Gegnern. Mit Vielen habe ich weiterhin Kontakt und wir besuchen uns und nehmen gemeinsam an Seminaren teil. Beim Taekwondo geht es nicht nur ums Gewinnen. Die Gemeinschaft ist der wichtigste Teil. Das hat mich immer fasziniert.

Aber mittlerweile reise ich ungern. Heute habe ich eine eigene Familie, mit ihr möchte ich meine Zeit verbringen. Als Trainer bin ich aber natürlich auch viel unterwegs. 

Ahmad: Wie muss man sich die Vorbereitungen auf eine Weltmeisterschaft oder Olympia vorstellen?

Acharki: An der Leistungsspitze trainiert man etwa 14 Mal die Woche. Eine Trainingseinheit dauert rund zwei Stunden. Ich hatte das Glück, dass ich das damals machen konnte. Ich bin in die Sportfördergruppe der Bundeswehr gekommen. Nur so hatte ich die Möglichkeit, dieses Trainingspensum zu absolvieren. Außerhalb des Fußballs ist das in Deutschland ansonsten wirklich schwierig.

Hassan: Was muss ich machen, wenn ich bei euch mittrainieren möchte. Wann kann ich kommen?

Acharki: Einfach vorbeikommen. Man kann immer unverbindlich ein Probetraining machen und dann schauen, ob es einem gefällt. Wir haben unterschiedliche Gruppen. Eine Breitensport- und eine Wettkampfgruppe. Nach drei Monaten kann man eine erste Prüfung machen. Dann bekommt man seinen ersten Gürtel.

Hassan: Vielen Dank für das Interview

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Yasemin Mentes
Yasemin Mentes

studierte European Studies in Istanbul und Bonn. Heute konzipiert und führt Sie Praxisprojekte an der Schnittstelle zwischen Medienbildung und Integration.


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