Autor: Kerstin Rüttgerodt

Kamera FAQ #4: Autofokus oder manueller Fokus

Was brauchen Sie für ein gutes Foto?

Großer Beliebtheit erfreut sich der Autofokus, weil er das Leben des Fotografen so viel einfacher machen kann. Wollen Sie nicht nur knipsen, sondern fotografieren, dann sind aber einige Ansprüche an den Autofokus zu stellen. In der Arbeit mit Jugendlichen ist fokussieren ein wichtiges Thema. Es berührt Aspekte wie Handlungsplanung, zur Ruhe kommen und schärft die Beobachtungsgabe. Denn mit dem Setzen eines Fokus wird das Auge des Betrachters gelenkt. Die Auswahl des Bereichs, der „scharf“ gezeigt wird, entscheidet oft darüber, ob es sich um ein interessantes oder belangloses Foto handeln wird. Nach meiner Erfahrung sind diese Gesichtspunkte – obwohl wir doch alle immerzu Fotos sehen und beurteilen – für Fotoanfänger neu und müssen gelernt werden.

Fotografieren Sie z.B. Menschen oder Tiere, dann erwarten Betrachter, dass auf die Augen fokussiert wird. Bei begrenzter Schärfentiefe wird dann meist das vordere Auge gewählt.

Es gibt ein paar einfache Regeln für Standartsituationen.

 

Bei Rhythmen, z.B. einem Zaun ist das, was aus der Reihe tanzt am interessantesten, oder die Blüte, die durch den Zaun lugt.

 

Bei Dopplungen: 2 Blüten, 2 Kerzen….wird ebenso meist auf das Vordere scharf gestellt.

Es macht ein Foto allerdings manchmal  wesentlich spannender, wenn man die bekannten Regeln durchbricht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Lieblingsregel beim Fotografieren stammt von Tom Ang und sie lautet: Richtig ist, was der Bildaussage dient. Auch das ein wichtiger Aspekt in der Arbeit mit Jugendlichen: Was willst du mit dem Foto sagen und wie kannst Du ein Foto so planen, dass diese Aussage unterstützt wird. Will man beispielsweise zeigen, wie lang die Schnauze eines Krokodils ist, bietet es sich an von der Regel abzuweichen und auf die Nasenlöcher scharf zu stellen.

Aber zurück zu den technischen Anforderungen: Schnell muss der Autofokus arbeiten, damit Ihnen das Lächeln nicht entgeht, dass Sie so gern fotografisch festhalten möchten.

Über möglichst viele Autofokuspunkte sollte er verfügen, die Sie auch in Gruppen oder einzeln aktivieren können sollten.

Hilfreich sind darüber hinaus Autofokuseinstellungen, die die Bewegungen des Motivs einbeziehen, bei allem, was nicht stillsteht.


Arbeitet der Autofokus auch bei schlechtem Licht?

Gesichtserkennung? Naja – nee eher nicht…..das ist natürlich nur meine ganz persönliche Meinung. Ich denke, der Trend wird dahin gehen, es den Fotografen immer leichter zu machen. Bei der Arbeit mit Jugendlichen würde ich auch eher davon abraten Gesichtserkennung zu benutzen. Das verleitet zum wilden Knipsen und macht genau das unnötig, was ich in der Arbeit mit Jugendlichen so schätze, dass sie zur Ruhe kommen müssen, wenn sie gute Fotos machen möchten.

Schnelligkeit: Probieren Sie die Kamera aus und stellen Sie selber fest, wie lange der Autofokus benötigt. Sie werden später sehr froh sein, wenn die Verzögerungen möglichst gering ausfallen.

Autofokuspunkte: Viele einfache Kameras fokussieren in der Mitte des Fotos. Wenn sich das Hauptmotiv nicht dort befindet, werden Betrachter später feststellen: Das Foto ist unscharf. Ich habe das wirklich schon erlebt, dass sich der Fokus nicht anders einstellen ließ. Was man tun kann: Fokussieren Sie in der durch die Mitte auf den Gegenstand, den Sie scharf abbilden möchten, speichern Sie diese Einstellung und richten Sie dann die Kamera neu aus, damit das Hauptmotiv nicht in der Mitte ist, sondern z.B. auf einer 2/3 Linie der Gesamtkomposition. Das wird in einigen Fällen auch ganz gut funktionieren, aber je genauer Sie es mit der Schärfe nehmen und je geringer die Schärfentiefe ist, um so mehr wird es Ihnen schwerfallen, den Abstand zum Hauptmotiv beim Neuausrichten nicht zu verändern. Bedeutet: je mehr Autofokuspunkte Sie einzeln anwählen können, umso mehr erleichtert Ihnen die Kamera korrektes Fokussieren bei gleichzeitig interessanteren Bildkompositionen.

Hier hätte ich meinen Kollegen nicht unbedingt fragen müssen, ob ich ihn fotografieren darf. Der Autofokus sorgt dafür, dass er incognito bleibt.

Gruppen von Autofokuspunkten zu nutzen, erleichtert die Arbeit, wenn es um bewegliche Motive geht. Allerdings wird oft ein Kompromiss zwischen den Werten der einzelnen Punkte gefunden, der Sie vielleicht nicht zufriedenstellt. Sie sollten die Parameter dieser Programme möglichst gut kennen, um die Programme zu nutzen. Die Kamera kann nicht erraten, was Ihnen wohl am wichtigsten ist und worauf Sie scharf stellen möchten. Es sind also „Regeln“ hinterlegt. Stellt eine Kamera z.B. bei einer Gruppe von Autofokuspunkten immer auf das Objekt, welches der Kamera am nächsten ist, sollten Sie prüfen, ob damit Ihr Hauptmotiv überhaupt getroffen wird.

Es ist unter Fotografen in Mode gekommen sehr hohe Anforderungen an Schärfe zu stellen. Und es kann auch wirklich faszinierend sein, was Technik heutzutage liefert. Aber ich finde, dass ein packender Moment, den jemand festhält, in dem er im richtigen Augenblick auf den Auslöser drückt, einiges an Unschärfe zulässt.

Autofokuseinstellungen und Bewegung: Hier lohnt es sich tatsächlich im Internet nach Testergebnissen zu schauen.

Zum Schluss möchte ich noch etwas zum manuellen Fokussieren sagen. Wenn Sie geübt sind und gute Augen haben, bleibt der manuelle Fokus wahrscheinlich das beste Mittel. Ich trage eine Brille. Die Dioptrien kann ich an der Kamera einstellen. Die Kamera zeigt mir auch an, wann ich scharf gestellt habe. Das funktioniert also auch mit Brille gut. Schwierig und anstrengend wird es für mich, wenn ich mit dem Lensbaby fotografiere, denn dieses Objektiv arbeitet nicht mit dem Schärfeindikator der Kamera zusammen. Ansonsten kann ich manuelles Fokussieren empfehlen, am besten im Live View mit Bildschirmlupe. Es ist schon erstaunlich, welche Schärfe man damit erreichen kann. Trotzdem nutze ich diese Methode selten, weil ich zu den Stativmuffeln gehöre.

 

 

 

Informationen zum Verfassser
Kerstin Rüttgerodt
Kerstin Rüttgerodt

...war viele Jahre sowohl in der Jugend- als auch Behindertenhilfe im Verbund der Axenfeld Gesellschaft pädagogisch tätig und ist seit 2006 dort Pressesprecherin.

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